Beschreibung
Tabu. Provi. Rheni
Lorenz Fries
Diese sehr seltene Holzschnitt-Karte des Rheins geht zurück auf den einflussreichen Gelehrten Lorenz Fries (ca. 1490–1531). Das Blatt entstammt einer in Straßburg gedruckten Ausgabe des Geografie-Handbuchs von Klaudios Ptolemaios („Claudii Ptolemaei, Opus Geographiae“) Gedruckt wurde das Buch in Straßburger Verlag J. Grüninger. Es handelt sich um die zweite von insgesamt vier Auflagen und eine der älstesten Karten von Baden-Württemberg und dem Elsass.
Das in sanften Linien geschnittene Kartenbild ist nach Westen ausgerichtete und zeigt den Rheinlauf zwischen Bingen und Basel. Im Bildzentrum liegt Straßburg („Argentina“), wo die Karte auch erarbeitet wurde. Bestimmend für die Komposition sind einerseits die markanten Flussläufe und andererseits die topografischen Erhebungen, wie der Hunsrück, Schwarzwald („Nigra Silva“) oder die Vogesen, deren Hügel geradezu malerisch dargestellt werden.
Die Verso-Seite des Blattes zeigt eine kleinere Karte von Lothringen und ein fein gestaltetes Ornament. Nach heutigem Kenntnisstand hat der deutsche Maler Albrecht Dürer bei der Gestaltung des Kartenwerks mitgearbeitet.
Das von Fries gezeichnete Kartenbild hat eine sehr gewundene Entstehungsgeschichte. Den Ausgangspunkt bildete ein Entwurf des lothringischen Kartografen Martin Waldseemüller (1472–1520), dessen Ptolemaios-Editionen 1513 und 1520 in Straßburg erschienen waren. Dabei ergänzte Waldseemüller die von Ptolemaios beschrieben Karten um mehrere „moderne“ Karten, die er in einem Appendix beifügte. Fries benutzte dann Waldseemüllers Karten als Vorlage seiner eigenen Ptolemaios-Ausgabe, die er im Jahre 1522 mit insgesamt 50 Karten veröffentlichte. Dieses Buch erlebte zwei weitere Ausgaben (1525, 1535).
unkolorierter Holzschnitt
Bildmaß: 26,5 x 43 cm (Höhe x Breite)

