Beschreibung
Atlas Marianus Sive Praecipuae Totius Orbis Habitati Imagines Et Statuae Magnae Dei Matris
Heinrich Scherer
Dieser sehr seltene Atlas des Münchner Jesuiten Heinrich Scherer (1628–1704) zählt zu den innovativsten Kartenwerken des späten 17. Jahrhunderts. Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich die vollständige erste Auflage des Kartenwerks aus dem Jahr 1702. Der Einband ist zeitgenössisch; partiell wurde der Atlas restauriert; das Corpus von 23 Karten ist vollständig.
Thematisch widmet sich der Atlas der weltweiten Verbreitung des katholischen Marienkultes. Der umfangreiche Textapparat schildert die Geschichte des religiösen Verehrung, indem er die wichtigsten Kultbilder und -orte je nach Region auflistet. Die ergänzenden Karten sind außergewöhnlich schön gestaltet und führen insbesondere die Topografien äußerst plastisch vor Augen. Bemerkenswert ist, dass manche Karten nicht das aktuelle geografische Wissen widerspiegeln. Kalifornien wird etwa als Insel dargestellt und teilweise wird auch eine direkte Passage entlang des nördlichen Polarkreises impliziert.
Ursprünglich war der „Atlas Marianus“ Teil des mehr als 2.000 Seiten und 180 Karten umfassenden „Atlas Novus“. Historisch sind die Kartenwerke äußerst innovativ. Denn zum einen handelt es sich um die ersten rein thematischen Atlanten. Dementsprechend besitzen die Bände des „Atlas Novus“ eigene thematische Schwerpunkte: „Geographia Naturalis“, „Geographia Hierarchica“, „Geographia Politica“, „Tabellae Geographicae“, „Atlas Marianus“, „Critica Quadrapartita“, „Geographia Artificialis“.
Die zweite Besonderheit ist der thematische Zuschnitt der Atlanten, denn Scherer konzipierte explizit „katholische“ Atlanten – und da die Kartografie bis dato meist von Verlagen aus den reformierten Niederlanden dominiert worden war, wirkte die dezidierte konfessionelle Einfärbung innovativ und passte sich zugleich in die Strömungen der Katholischen Reformationen ein.
Als Drittes kommt hinzu, dass sich mit Scherers Atlanten Süddeutschland als wichtiges Zentrum der Kartografie etablierte. So wurden viele der Karten von Leonard Heckenauer (1658–1704), Joseph de Montalegre (tätig 1710–1715) oder Johann Baptist Homann (1664–1724) gezeichnet und gestochen.
unkolorierter Atlas im originalen Einband
23 Karten als Kupferstiche gearbeitet
Einband: 72 x 22 cm (Höhe x Breite)


